Die Fallot'sche Tetralogie
Die Fallot'sche Tetralogie (auch Fallot-Tetralogie) ist eine angeborene Herzfehlbildung, die etwa 10 % der angeborenen Herzfehler ausmacht. Sie besteht aus einer Pulmonalstenose, einem Ventrikelseptumdefekt, einer über der Herzscheidewand/dem Ventrikelseptumdefekt reitenden Aorta, sowie einer Rechtsherzhypertrophie.Die Bezeichnung dieses Herzfehlers geht auf den französischen Pathologen Étienne Fallot als Erstbeschreiber (1888) zurück. Die auch im Deutschen bei Medizinern gebräuchliche Abkürzung ToF leitet sich aus dem Englischen Tetralogy of Fallot ab.
Der Blutstrom des normalen (gesunden) Kreislaufs
Aus der oberen und unteren Körperhälfte fließt das sauerstoffverbrauchte Blut über die obere und untere Hohlvene zum Herzen zurück. Die Gefäße, die Blut zum Herzen zurück transportieren, heißen Venen. Das Blut hat auf seinem Weg durch den Körper Sauerstoff an das Gewebe abgegeben und hat daher eine blaue Farbe angenommen. Das Blut wird dann vom rechten Vorhof in die rechte Herzkammer gepumpt. Von dort gelangt es über die Lungenschlagadern in die Lunge. Gefäße, die Blut vom Herzen weg transportieren, heißen Schlagadern (Arterien). In den Lungen wird dann das Blut mit Sauerstoff angereichert und hat daher auf dem Rückweg zum Herzen über die Lungenvenen eine rote Farbe angenommen. Es sammelt sich im linken Vorhof und wird von dort in die linke Herzkammer gepumpt. Das sauerstoffreiche Blut wird dann von der linken Herzkammer über die Hauptschlagader in den großen Kreislauf gepumpt. Zunächst gehen die Gefäße zu den Armen und dem Kopf ab. Dann verläuft die Hauptschlagader im Bogen nach unten zu den Organen im Bauch und den Beinen.
Blutstrom bei Fallot
Das sauerstoffverbrauchte Blut fließt wie gewöhnlich über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof und dann in die rechte Herzkammer. Von dort wird das Blut über die Lungenschlagader in die Lunge gepumpt. Auf dem Weg von der rechten Herzkammer in die Lungenschlagader passiert der Blutstrom die Ausflußbahn der rechten Herzkammer, an dessen Ende die Pulmonalklappe sitzt, und fließt dann direkt hinter dieser Klappe in den Stamm der Lungenschlagader. Die Ausflußbahn der rechten Herzkammer und die Pulmonalklappe können bei dieser Erkrankung in unterschiedliche Weise unterentwickelt sein und bilden ein Strömungshindernis für das Blut auf dem Weg in die Lunge. Das heißt, daß die Ausflußbahn der rechten Herzkammer auf Grund von Muskelwülsten zu eng sein kann, daß die Pulmonalklappe zu klein und manchmal nur mit zwei Segeln angelegt sein kann und daß der Stamm der Lungenschlagader verkümmert angelegt und stark verengt sein kann.Außerdem besteht bei diesem Herzfehler zusätzlich ein Kammer-Scheidewand-Defekt. Die Hauptschlagader, die normalerweise das sauerstoffreiche Blut in den Körper bringt, ragt über dieses Loch hinüber in die rechte Herzkammer, so daß sauerstoffverbrauchtes Blut sich mit dem sauerstoffreichen Blut aus der linken Herzkammer in der Hauptschlagader mischt. Dadurch können Blausuchtanfälle ausgelöst werden.
Krankheitswert
Die rechte Herzkammer ist gezwungen, durch vermehrte Druckarbeit, das Blut über die verschiedenen Engstellen der Ausflußbahn auf dem Weg von der rechten Herzkammer in die Lungenschlagader zu pumpen. Diese ständige zusätzliche Arbeitslast führt wie bei Bodybuildern zu einem Wachstum von Muskeln. Die sich vergrößernden Muskeln stellen wiederum ein Strömungshindernis dar, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Je höher der Druck in der rechten Herzkammer und je enger die Ausflußbahn in die Lungenschlagader ist, desto häufiger gelangt sauerstoffverbrauchtes Blut über die Hauptschlagader in den Körperkreislauf und führt somit zu immer häufigeren Blausuchtanfällen.
Aus den genannten Gründen ist es am günstigsten, die Operation an einem Zeitpunkt vorzunehmen, wenn noch keine Schäden durch die Muskelmassenzunahme in der rechten Herzkammer entstanden sind.
Operation
Über einen Schnitt in der rechten Herzkammer, der über die Ausflußbahn hinaus bis in den Stamm der Lungenschlagader erweitert wird, kann der Chirurg die Muskelmassen in der Ausflußbahn und den Kammer-Scheidewand-Defekt einsehen. Die verdickten Muskelmassen werden heraus geschnitten und der Kammer-Scheidewand-Defekt mit einem Flicken verschlossen. Die verkümmerte Pulmonalklappe wird heraus geschnitten und die gesamte Ausflußbahn wird dann mit einem Flicken verschlossen und somit erweitert.
Das Ziel der Operation ist erreicht
Die rechte Herzkammer kann jetzt mit weit weniger Kraft das Blut in die Lungeschlagadern pumpen, weil die verdickten Muskelmassen und die kleine Pulmonalklappe heraus geschnitten und die gesamte Ausflußbahn über den engen Stamm der Lungenschlagader hinaus mit einem Flicken erweitert wurde. Die Gefahr von Blausuchtanfällen ist gebannt, weil das Loch in der Kammerscheidewand mit einem Flicken verschlossen wurde. Somit kann kein sauerstoffverbrauchtes Blut aus der rechten Herzkammer in die Hauptschlagader gelangen, die lediglich sauerstoffreiches Blut transportiert.